62-Vom goldenen Käfig zum eigenen Unternehmen – Felix Engelbart über Mut, Nachfolge und Risiko

Shownotes

Vom goldenen Käfig zum eigenen Unternehmen

Felix Engelbart war jahrelang auf der anderen Seite: Als Head of Corporate Strategy & M&A bei der HÜBNER Group kaufte er Unternehmen für andere.

Dann wollte er selbst Unternehmer werden.

Der Weg dorthin führte über Dutzende Exposés, zahlreiche Besichtigungen und mehrere beinahe zustande gekommene Übernahmen. Bis Felix sein heutiges Unternehmen schließlich an Weihnachten 2024 bei seiner Mutter im Wohnzimmer entdeckte.

Heute führt er Home Instead Kassel mit rund 115 Mitarbeitenden.

In dieser Folge sprechen wir über:

  • den „goldenen Käfig“ und warum ein guter Job trotzdem nicht der richtige Weg sein muss
  • Felix' Wechsel aus dem Konzern in die Selbstständigkeit
  • die Suche nach dem passenden Unternehmen
  • 50–70 Exposés und 10–15 Besichtigungen
  • eine beinahe zustande gekommene Übernahme eines Reifenhändlers
  • die besondere Geschichte, wie Felix sein heutiges Unternehmen gefunden hat
  • Franchise als Form der Unternehmensnachfolge
  • die Frage, wie viel Unternehmertum in einem Franchise steckt
  • Veränderungen in einem bestehenden Team nach einer Übernahme
  • Führung, Unternehmenskultur und Verantwortung
  • tatsächliches Risiko, wahrgenommenes Risiko und gefühlte Gefahr
  • warum Felix sich selbst eine Grenze bis 40 gesetzt hatte
  • und die Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um den Schritt zu wagen?

Der Satz der Folge:

„Das Wasser wird nicht wärmer, nur weil man länger wartet.“

Über Felix Engelbart;

Felix Engelbart ist Geschäftsführer und Inhaber von Home Instead Kassel (vido soziale dienste GmbH). Das Unternehmen beschäftigt rund 115 Mitarbeitende und plant einen weiteren Standort in Fritzlar. https://www.linkedin.com/in/felix-engelbart/ https://homeinstead.de/kassel/ https://www.footsteps-nachfolge.de/ https://www.kasseler-sparkasse.de/fi/home/branchen-und-berufe/gruendung-und-nachfolge/unternehmensnachfolge.html

Viel Freude beim Hören!

Transkript anzeigen

Es gibt Menschen, die verbringen ihr halbes Berufsleben damit, Unternehmen zu verkaufen.

Für andere. Sie prüfen, sie rechnen, sie verhandeln, sie unterschreiben.

Und dann fahren sie nach Hause und

gehen am nächsten Morgen wieder in ihr Büro.

Mein heutiger Gast war so ein Mensch. Felix Engelhardt ist Jurist.

Hat als Rechtsanwalt in Luxemburg M&A-Transaktionen begleitet.

Und war danach bei Hübner in der Hübner Group in

Kassel verantwortlich.

Für die Unternehmensstrategie und die Zukäufe. Ein Weltmarktführer.

Eine tolle Position. Beste Entwicklungsmöglichkeiten.

Und trotzdem saß er abends auf der Couch

und hat Exposés angeschaut.

Nicht weil er weg wollte, sondern weil da immer dieses Fünkchen war.

50 bis 70 Exposés hat er gelesen.

Sich rund 15 betrieben. Angeschaut.

Bei einem war es sogar so weit,

dass der Inhaber schon seine Geschäftsführerin informiert hatte.

Und dann kam Weihnachten.

Weihnachten 24.

Ein zufälliges Gespräch bei seiner Mutter.

Und plötzlich lag alles anders.

Heute führt Felix Engelhardt Home Instant in Kassel.

Einen der größten ambulanten Betreuungsdienste der Region.

Mit rund 115 Mitarbeitern. Und

er hat mir eine Geschichte erzählt.

Die ich so noch in keinem Gespräch gehört habe.

Nämlich wie man eine Absage erteilt.

Wir haben uns über den Dächern von Kassel getroffen. Bei der Sparkasse.

Die uns dankenswerterweise ihre Räume zur Verfügung gestellt hat.

Viel Freude mit Felix Engelhardt.

Hallo Felix.

Schön, dass du da bist. Wir haben hier ein ganz tolles Ambiente.

Wir sitzen über den Dächern der Stadt Kassel.

Bei der Sparkasse hier. Und haben ein total tolles Ambiente.

Und natürlich noch ein viel viel großartigerer Wir Gast.

Als ich dich und deine Keynote gehört habe.

Beim Foodstop-Nachfolgefestival hier in Kassel. Da ich gesagt. Das ist eine Geschichte.

Die möchte ich eigentlich unbedingt im Podcast haben.

Herzlichen Dank, dass ich hier sein darf. Vielen Dank für die Einladung.

Ich freue mich auf das Gespräch. Total gern.

Wenn du an Nachfolge denkst.

Was fällt dir zuerst für ein Bild ein?

Mir fällt ein Spruch ein. Gutes bewahren.

Oder bewährtes bewahren. Und Neues anfangen. Und Neues wagen. Also

auf Latein ist vielleicht jetzt ein bisschen elitär.

Aber bonum servare novum apetere. Da merkt man gleich.

Der Jurist.

Der gebildete Mann. Hier ein Gast. Ja, du hast ja im Vorfeld,

bevor du übernommen hast, ein bisschen was anderes gemacht.

Du warst bei Hübner in einem sehr sehr guten Position.

Du warst Head of Corporate Strategy.

Und verantwortlich für den gesamten M&A-Bereich.

Du warst bei einem der Weltmarktführer. Der hier auch in Kassel.

Ansässig ist. Also optimale Bedingungen.

Erzähl mal einfach, was war bei Hübner gut?

Also du warst bei einem Weltmarktführer.

Und hast dich dann aber trotzdem irgendwie anders entschieden.

Muss ja irgendeinen Grund haben. Absolut.

Ja, gute Frage. Also Hübner als Arbeitgeber ist absolut sensationell.

Muss ich sagen. Ich habe da eine tolle Entwicklung nehmen können.

Und da wurde mir unheimlich viel ermöglicht.

Auch in Sachen Weiterbildung. Inhaltlich. Aber auch in Richtung Führung.

Ich hatte da wirklich eine tolle Zeit.

Genau in der Rolle. Wie du sie gerade genannt hast.

Aber auch in der Verantwortung für das Ersatzteilgeschäft. In einem Geschäftsbereich.

Insofern genau wie du sagst. Eigentlich alles super.

Aber da war trotzdem immer dieses

Fünkchen. Und dieser Wunsch,

ein eigenes Unternehmen zu haben. Und so richtig frei gestalten zu können.

Und ich war lange Jahre hier in Kassel bei den Wirtschafts-Senioren aktiv.

Unter anderem im Vorstand.

Und habe da natürlich viel Kontakt gehabt. Auch zu Familienunternehmern.

Im Wesentlichen mit interner Familiennachfolge.

Und habe mir gedacht, gut, jetzt gibt es in meinem Umfeld familiär

gerade kein Unternehmen, was ich übernehmen könnte.

Aber vielleicht ist ja die externe Nachfolge was für mich.

Und habe das immer so neben meiner Entwicklung bei Hübner begleitet.

Und mich einfach mal unverbindlich umgeschaut.

Und du hast ja bei Hübner für den Konzern,

warst du ja im M&E-Bereich tätig.

Also sprich im Zukauf von Unternehmen.

Und hat dir das geholfen,

bei deiner Entscheidung in die Selbstständigkeit zu gehen? Ein Unternehmen zu kaufen?

Beziehungsweise ein Unternehmen zu übernehmen? Ja, auf jeden Fall.

Natürlich, weil ich allein schon die Prozesse x-mal gemacht habe.

Ich habe ja vor Hübner auch schon, bin ja ursprünglich Rechtsanwalt

in Luxemburg, viel M&A gemacht von juristischer Seite.

Und daher war ich natürlich mit den

Prozessen und der Terminologie bestens vertraut.

Ist natürlich trotzdem immer nochmal ein Unterschied.

Wenn man es dann auf eigene Rechnung macht.

Aber die Grundbasis

war, glaube ich, nicht so schlecht. Das hat mir geholfen.

Und ehrlich gesagt, das hat mir vor allem deswegen geholfen,

weil ich gesehen habe, also man kann eigentlich Due Diligence machen,

hoch und runter, wie man möchte.

Aber eigentlich ist das alles nicht entscheidend,

außer vielleicht ein bisschen zur Kaufpreisfindung.

Am Ende ist die Frage, natürlich Due Diligence sollte man machen,

im Sinne von Red Flag. Aber am Ende ist einfach die Frage,

okay, will man es machen oder will man es nicht machen.

Wo ich jetzt hier einen Prozess habe.

Wo einen professionellen Profi am Tisch sitzen habe.

Wenn man für sich drüber nachdenkt,

so wie du damals, wie sucht man ein Unternehmen?

Gute Frage. Also kann ich natürlich keine allgemeingültige Aussage treffen.

Ich glaube immer einfach, je mehr Zeit man damit verbringt,

desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende des Tages was rumkommt.

Und natürlich ist auch immer hilfreich, irgendwo in ein Netzwerk zu investieren,

das einfach auch Off

Market dir dann die ein oder andere Idee

mal mitgibt oder den ein oder anderen Hinweis.

Ich persönlich habe es einfach im Wesentlichen abends auf der Couch gemacht,

bei NextChange und bei DOB und bei dem ein oder anderen M&A-Berater.

Da gibt es ja auch Einschläge in Deutschland,

die da sehr aktiv sind.

Und habe da einfach, ehrlich gesagt, jeden Abend einfach aus Interesse.

Nicht, weil ich es morgen machen wollte.

Ich war ja bei Hübner total happy.

Wie gesagt, ganz tolle Arbeitgeber mit super Entwicklungsmöglichkeiten.

Aber habe da einfach aus Interesse geschaut,

weil ich es auch einfach unheimlich spannend fand,

was es alles so für Unternehmen gibt und womit Leute Geld verdienen.

Und interessant war für mich natürlich, dass ich dann sehr schnell immer

wieder gesehen habe, worauf habe ich eigentlich Lust und worauf nicht?

Und was sind für mich die Kriterien, die es reizvoll machen?

Und was sind für mich eben No-Gos?

Du sagst, worauf hast du Lust?

Du hast relativ schnell gemerkt, worauf nicht.

Wonach hast du am Anfang geschaut?

Wo hast du am Anfang gesucht? Und was ist es dann geworden?

Also am Anfang war es eigentlich keine Suche,

in der ich konkret gesagt habe,

ich muss jetzt innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Unternehmen finden.

Sondern es war einfach wirklich Interesse.

Weil ich habe eben sehr regional gesucht. Weil es war klar,

dass wir mit Frau und mittlerweile auch Kind eben nicht umziehen wollten,

sondern eben hier in Region bleiben wollen.

Und dann war eben klar, dass schon allein Unternehmen,

zum Beispiel in Fulda, wir sind jetzt hier in Kassel,

Fulda ist knapp 100 Kilometer, dass mir das zu weit ist.

Das heißt, ich habe im Grunde genommen gedanklich um meinen Wohnort

einen Radius von 50 Kilometer gezogen und habe einfach mal geguckt,

was gibt es da? Und ehrlich gesagt, ich war auch überrascht,

wie viele Unternehmen da in die Nachfolge gekommen sind in der Zeit.

Und gerade wenn man sich dann eben ein bisschen

bei den Wirtschaftsunion bewegt, aber auch in anderen unternehmerischen Kreisen,

selbst wenn die Inserate dann anonym sind, kann man relativ gut zuordnen,

um welche Unternehmen das sich handelt. Und das war einfach total spannend.

Und da habe ich mir alles Mögliche angeguckt.

Zumindest erstmal im Netz von Bäckereiketten

über Reifenfachhandel, über Palettenhandel,

über Autohandel, über natürlich Industrie.

Das wäre mir eigentlich am nächsten gelegen, quasi aufgrund meiner beruflichen,

Historie.

Und es gab noch ganz, ganz viel mehr, was angeboten wurde,

was durchaus auch wirtschaftlich interessant gewesen wäre.

Du hast dir ja nun ein paar Unternehmen näher,

auch wirklich in Tiefe, angeschaut.

Du hast ja 50 bis 70 Exposés gelesen, dir ca.

15 Betriebe noch etwas genauer angeschaut.

Und wenn du dich so an konkret so zwei,

drei Fälle erinnerst, was hat da konkret gefehlt?

Es gab eigentlich immer Faktoren, die nicht vorteilhaft

waren, wobei ich da eben aus meiner Erfahrung im M&A-Bereich gesagt hätte,

du wirst nie das Perfekte finden. Also du wirst nie,

ich sage mal, fünf Kilometer entfernt von deinem Wohnort,

das Unternehmen in der Größe, zu dem Kaufpreis,

in der Branche finden, wie du dir das wünschst.

Also was heißt nie?

Wir sagen niemals nie, aber es ist höchst unwahrscheinlich.

Das heißt, mir war klar, wenn ich das machen möchte,

dann muss ich irgendwo Abstriche machen. Aber es gab natürlich schon Dinge,

ja, die Klassiker, Abhängigkeit von einem Kunden, Branche,

die mich nicht gereizt hat, auf die ich auch einfach keine Lust hatte,

Abhängigkeiten von Kooperationspartnern, wo ich einfach gesagt habe, ist mir zu heiß,

Immobilienangelegenheiten, die ungeklärt waren,

Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern oder auch keine gesunde Mitarbeiterstruktur in der Gesamtbelegschaft.

Beispiel, wenn man schon sieht, okay, ist ein eingespieltes Team, aber die

gehen alle auf die 60 zu.

Und man denkt eben jetzt in 20, 30 Jahren Zyklen,

dann, dann, dann stellt

sich natürlich schon die Frage, wie tragfähig das da überhaupt ist.

Also insofern, da war irgendwie immer was,

wo ich gesagt habe, hm, weiß ich nicht.

Und vor allem war es, war

bis auf eine Sache eigentlich nichts dabei, wo ich wirklich gespürt

habe, ich habe richtig Bock drauf.

Ja, und ich habe das immer auch mit meinem besten Freund besprochen.

Und der hat außer,

also der hat immer gesagt, ich spüre da nichts außer

jetzt bei der Sache, die ich tatsächlich gemacht habe.

Da hat er gesagt, Mensch Felix, da höre ich so raus.

Da ist Begeisterung.

Und das war für mich schon auch nochmal wertiges Feedback.

Du warst ja, hast du mir im Vorgespräch erzählt,

schon mal relativ nah an einem Reifenhändler dran.

Ja, ja. Mit 25 bis 30 Mitarbeitenden, bei

dem nahezu mehr oder weniger fast alles gepasst hat, wo der Inhaber

auch schon seine Geschäftsführerin darüber informiert hat, dass du dort einsteigst.

Vielleicht magst du uns da kurz erzählen, was da war.

Wie nah warst du dran und woran ist es dann gescheitert?

Ja, also das war tatsächlich das schwierigste Gespräch,

was ich dann im Rahmen dieser gesamten

Reise auf dem Weg hin zum eigenen Unternehmen machen musste.

Nämlich als ich dem Inhaber dort abgesagt

habe, weil wir waren in den Gesprächen tatsächlich

schon aus meiner Wahrnehmung relativ weit fortgeschritten.

Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass er jetzt

einen Bieterwettbewerb in irgendeiner Form aufmacht,

sondern es war tatsächlich so, dass ich bin da Kunde und

schon langjähriger Kunde und habe mich mit seiner Geschäftsführerin einfach immer,

die ich schon über x Ecken ein bisschen kannte, sehr gut verstanden.

Und lange mal unterhalten,

einfach über Unternehmertum und so weiter und so fort.

Und bin dann proaktiv auf den Inhaber zugegangen und habe gesagt,

ich habe gehört, sie haben keine Kinder.

Wie ist denn überhaupt ihre Nachfolge geregelt? Und zu

meinem Glück hat er dann auch sofort den Bayer quasi aufgenommen

und hat gesagt Mensch, lass uns doch mal reden.

Und so saßen wir Stunden über Stunden über Stunden zusammen

und haben das Unternehmen von links auf rechts gedreht und geknetet

und Zukunftspläne etc. pp. Und auch

da gab es natürlich Punkte, wo ich sage, hm, wäre

mir vielleicht in anderer Konstellation lieber gewesen,

aber unterm Strich war das eine total spannende Opportunität, weil die Strategie

dahinter gewesen wäre, Bayern Build, sprich das erstmal so als Kerninvestment

und erstmal das Geschäft, ich komme ja noch nicht aus dem Reifenhandel,

drei, vier Jahre machen und dann eben ähnliche

Betriebe in ähnlicher Situation aufkaufen

und eine Gruppe daraus formen und Synergien heben etc. pp.

Der Laden war super geführt und ist weiterhin super geführt.

Also da gibt es gar nichts zu meckern. Ich hätte das gemacht.

Ich hätte das gemacht, wenn nicht eben diese Möglichkeit

und diese Situation sich ergeben hätte.

Ja, vielleicht magst du uns jetzt mal von Weihnachten

2024 bei deiner Mutter erzählen.

Ja, wie kriege ich da die Kurve?

Also Christian Weinekötter, ein guter Freund von mir, langjähriger Freund von mir,

die Familien kennen sich schon, wir kennen uns seit über 30 Jahren,

war eben im Home-Instead-Bereich unterwegs im Rahmen der ambulanten Seniorenbetreuung.

Und ich hatte das immer schon sehr

aufmerksam begleitet, weil er einfach einer der smartesten Menschen

ist, die ich so kenne und einfach unheimlich

unternehmerisch drauf ist und fand das immer unheimlich interessant,

was er da gemacht hat und habe da großen Respekt

vor, was er da in den Jahren aufgebaut hat.

Und Weihnachten 2024 trafen wir uns dann zufällig bei meiner Mutter.

Er war mit kompletter

Familie da und die waren gerade eigentlich auf dem Sprung.

Und ich habe dann gesagt, Christian,

Mensch, ich habe mir noch mal Home-Instead übrigens angeguckt

und ich hatte tatsächlich auch schon zum Franchise-Geber mal Kontakt aufgenommen.

Weil mir aufgefallen war, dass südlich von Kassel noch ein,

wie ich finde, ganz interessantes Gebiet,

vor allem ein großflächiges Gebiet, frei war.

Und ich meinte zu ihm dann, Christian, was hältst du denn davon?

Ich könnte das ja machen.

Und dann sagte er, ja, das könntest du tatsächlich machen.

Und übrigens, ich könnte mir auch vorstellen zu verkaufen.

Warum machst du nicht beides zusammen und baust es einfach aus

Kassel heraus aus? Und das war natürlich unheimlich spannend.

Wie gesagt, er wollte gerade mit Frau eigentlich gehen.

Wir saßen dann aber on the spot gleich drei Stunden oder zwei,

zwei, drei Stunden und haben alles Mögliche besprochen und geknetet.

Und für

mich war eigentlich im Nachgang schon klar und auf dem Weg nach Hause,

wenn er jetzt nicht mit völlig abstrusen Kaufpreisvorstellungen

um die Ecke kommt, dann mache ich das.

Und dann hast du dem Reifenhändler abgesagt.

Wie führt man so ein Gespräch?

Gut, ich habe dem Reifenhändler nicht sofort abgesagt.

Tatsächlich saß ich dann auch noch mal mit dem Reifenhändler

zusammen und habe das eine oder andere besprochen,

weil für mich ja nicht klar war,

dass sich das auch mit Home-Instead jetzt ergeben würde.

Das hängt ja von vielen Faktoren zusammen. Punkt eins, welche Kaufpreisvorstellung.

Das ist ja nicht so ganz unwesentlich, der Punkt.

Welche Kaufpreisvorstellung hat der bisherige Inhaber?

Wenn man ein bisschen due diligence macht,

kommen da irgendwelche Red Flags hoch,

wo man einfach sagt, okay, das geht ja gar nicht oder Haftungsrisiken.

Also insofern, es war ja für mich nicht sofort

evident, dass das auch klappen würde.

Insofern habe ich die Gespräche erst mal weitergeführt mit dem Reifenhändler.

Hinterher aber, als es doch sich sehr schnell herauskristallisiert

hat, dass wir da einig werden würden mit Home-Instead.

Im Übrigen braucht es ja auch die Freigabe

und die Zusage des Franchise-Gebers.

Das ist ja noch mal eine weitere Variable,

die man erst mal nicht kontrollieren kann.

Als es dann aber relativ deutlich war, dass auch der Franchise-Geber

da vollständig mit an Bord ist, bin ich proaktiv

auf den Reifenhändler zu und war tatsächlich etwas nervös,

weil er mir wirklich auch irgendwie emotional schon ans Herz gewachsen

war und ich mir das wirklich sehr gut hätte vorstellen können.

Und da habe ich dann nicht lange drum herum geredet,

sondern bin im Grunde genommen mit der Tür ins Haus gefallen

und habe es einfach erklärt.

Und tatsächlich war seine Geschäftsführerin auch dabei.

Die waren schon geknickt, müssen wir jetzt nicht drum herum reden.

Also die Enttäuschung konnte ich da jetzt nicht nehmen.

Aber was mir wichtig war,

war, dass sie nicht den Eindruck hatten, ich hätte irgendwie faul

gespielt oder ich hätte mit falschen Karten gespielt oder ich hätte lange

Zeit parallel verhandelt und mir verschiedene Optionen aufgebaut,

nur um dann hinterher Rosinenpicken zu machen.

Das war ja nicht der Fall. Ich habe rechtzeitig Bescheid gesagt.

Nichtsdestotrotz war da natürlich Enttäuschung. Auf meiner Seite ehrlich gesagt ja auch.

Aber ich kann ja nicht alles machen. Ja, ja, ja.

Verständlich.

Wir haben uns ja in Kassel kennengelernt zum Footsteps

Award, beziehungsweise zum Nachfolgefestival.

Und du hast dich ja an den Award beworben

im Bereich externe Nachfolge.

Deine frühere Arbeitgeberin, die Nora Oberländer,

hat den Footstep Award gewonnen im Bereich interne Nachfolge.

Was glaubst was ist dein Gefühl, warum du, kann

immer nur einer gewinnen logischerweise, warum du bei der externen Nachfolge nicht

gewonnen hast, beziehungsweise in den Gesprächen der Jujoren?

Also Punkt eins gab es einfach einen ganz, ganz starken Mitbewerber,

den du ja auch noch im Podcast haben wirst,

habe ich gehört, der einfach ein ganz beeindruckender Typ ist.

Vom Azubi zum Inhaber des Geschäfts in Rekordzeit.

Das ist natürlich eine Story, die weil

der gebe ich mir auch, gebe ich mich auch sehr gerne geschlagen.

Also da habe ich überhaupt gar keine schlechten Gefühle bei.

Bei den Fragen der Juroren kam doch relativ stark raus.

Naja, es handelt sich ja bei Homestead um ein Franchise-System.

Wie unternehmerisch kann man denn in dem System eigentlich agieren?

Und ich glaube schon, dass das Abzüge gegeben hat in der Bewertung,

obwohl ich meine, das auf der Bühne eigentlich gut eingeordnet zu haben.

Aber sicherlich verbleibt da irgendwo ein Restgefühl, auch bei den Juroren.

Man muss da halt aber eins sehen, bitte.

Ein Franchise-System ist ja nicht gleich wie jedes Franchise-System.

Also Homestead ist sicherlich ganz anders als jetzt McDonald's,

Burger King oder andere bekannte Franchise-Systeme.

Und das

muss man eben in die Gesamtbewertung der Situation noch einbeziehen.

Kann ich gut nachvollziehen.

Du sagst, die

unternehmerische Freiheit trotz Franchise-Systems,

wo sind die Grenzen in deiner unternehmerischen Freiheit? Also erstmal,

es gibt Grenzen. Und die Grenze ist sicherlich die, Homestead

ist im Markt angetreten, Qualitätsführer zu sein. Da gibt es keine Kompromisse.

Wir haben eine absolut

top qualifizierte Qualitätsmanagement-Abteilung in der Zentrale.

Wir haben regelmäßige interne Audits.

Natürlich die externen Audits sowieso vom medizinischen Dienst, von den Krankenkassen.

Ähm. Wir haben eine interne Regulierung. Divisionsabteilung, die laufend prüft.

Das bekommen wir gar nicht mit, weil die einfach Zugriff

auf die Systeme hat.

Stichwort Qualitätsführerschaft, da gibt es eben keine Kompromisse.

Sprich, die Grenze ist da, wenn ich jetzt beschließen würde,

ich möchte jetzt Wachstum um jeden Preis und dafür opfere ich die Qualität,

das wäre so mit Homestead nicht zu machen.

Wo ist für dich, du hast dich nun für ein Franchise-System interessiert,

sagst du ja auch, du hast Homestead schon angeguckt, bevor du mit

dem Betrieb in Kontakt getreten bist, den du dann übernommen hast.

Wo sind die Vorteile eines Franchise-Systems für jemanden,

der darüber nachdenkt, ein Unternehmen aufzubauen bzw. in die Nachfolge zu gehen?

Also es gibt etliche Vorteile, auf die kann ich gleich noch eingehen,

aber für mich ist erstmal ganz entscheidend die Frage,

kommt man aus der Branche oder nicht.

Ich bin ja nun offensichtlich branchenfremd, ich habe schon einiges gemacht,

aber im Gesundheitswesen war ich eben nicht aktiv.

Hätte ich mich jetzt solo,

ohne Franchise-Geber im Gesundheitswesen, selbstständig gemacht, hätte ich mir das zugetraut?

Sicherlich nicht. Das ist erstmal Punkt eins.

Sprich, es ermöglicht Quereinsteigern eben den Einstieg in eine neue Branche.

Und tatsächlich ist es ja bei Homestead so, dass auch sehr gerne Quereinsteiger,

insbesondere auch aus der Industrie, aber auch aus dem Handel, genommen

werden als Franchise-Nehmer, weil sie einfach sehr prozessual denken,

weil sie häufig eine sehr gute Ausbildung genossen haben, weil sie einfach

auch interessante, gegebenenfalls auch internationale berufliche Erfahrungen gesammelt

haben und einfach viel gesehen haben und dann eben in das Gesundheitswesen

kommen und diese ganzen Erfahrungen aus den anderen Branchen natürlich mit reinbringen.

Insofern werden da Quereinsteiger sehr gerne gesehen und so auch bei mir.

Die Vorteile des Franchise-Systems an sich und der Franchise-Zentrale

liegen für mich total auf der Hand. Wie gesagt, eine Qualitätsmanagement-Abteilung,

die ich mir bei allem Geld der Welt so gar nicht zusammenkaufen könnte.

Auch der Austausch mit anderen Partnern im Rahmen der regelmäßigen Meetings,

aber auch außerhalb dessen, ist enorm viel wert.

Ich habe zum Beispiel einen sehr guten,

Austausch mit den geschätzten Kollegen aus Wiesbaden, was natürlich besonders gut ist,

weil wir uns im selben Bundesland bewegen und somit dieselben Rahmenbedingungen

vorfinden und die sind für mich ein großes Vorbild.

Also insofern auch das ein riesen Vorteil und natürlich die

ganzen Kompetenzen, die da in der Zentrale sitzen.

Ob das jetzt IT ist, ob das Marketing ist,

ob das vertriebliche Komponenten sind, das ist schon enorm

und ich glaube, selbst wenn man sich die Franchise-Gebühr sparen würde,

würde man das in der Qualität sich nicht am Markt zusammenkaufen können.

Und warum war es mal der Beweggrund, nicht neu zu gründen?

Du sagst, es gab ein freies Gebiet in deiner Nähe,

hättest du gegebenenfalls als Franchise-Nehmer einsteigen können.

Weshalb Ablösesumme zahlen und bestehendes Unternehmen übernehmen und nicht neu gründen?

Fand ich immer spannender. Ich kann es gar nicht so genau sagen.

Also bei Homestead ist es so, wenn du neu gründest,

musst du erstmal wirklich eine lange Durststrecke haben.

Weil du natürlich erstmal Overhead aufbauen musst und viel investieren musst,

um dann hinterher wirklich in einen profitablen

Bereich zu kommen und den Break-Even zu erreichen.

Mein Wunsch war schon auch, sage ich ganz ehrlich, ein Unternehmen

mal zu haben von einer gewissen Relevanz und einer gewissen Größe.

Also mein Ziel waren jetzt nie 10 Mitarbeiter und so

und so viele Kunden, sondern ich wollte schon irgendwie ein

bisschen was Größeres machen.

Und ich bin jetzt bin einfach immer auf die Nachfolge gegangen.

Gründen war nie eine Option. Ja, ja, ja.

Du hast ja nun nach vier Monaten angefangen,

das Unternehmen schon ziemlich umzubauen.

Dein Vorgänger hat es ja auf maximalen Profit optimiert gehabt.

Ich sehe dein Lächeln auf dem Gesicht.

Was sagt man dann, wenn man von einem ja schon guten Freund

als Vorgänger so etwas unternimmt und dann doch grundlegend

anfängt umzubauen, weil es doch vielleicht nicht alles so golden

war, wie es geglänzt hat?

Na, also bei Letzterem würde ich mich nicht anschließen tatsächlich.

Es war schon, um

in der Terminologie zu bleiben, es war schon golden.

Er hat das gut gemacht.

Er hat das genau nach seinen Zielen aufgebaut.

Und wie gesagt, ihm war eben maximale Effizienz ganz wichtig,

damit eben unten auch was rauspurzelt.

Und das ist ja auch gut und das ist auch absolut legitim.

Hintergrund, dass man eben möglicherweise abgeben will. Ja, ja.

Ich betreibe das Ganze eben mit einer deutlich längeren Perspektive.

Also ich bin jetzt gerade 40 geworden. Also ich sage

zu meinem Team immer, und das meine ich auch so ganz ernst,

so die nächsten 20, 30 Jahre habe ich eigentlich nichts anderes vor.

Sprich, ich betrachte es eben nicht nur mit der Momentaufnahme,

wie sieht die P&L heute aus, sondern wie kann ich wachsen?

Und gerade eben mit dem Blick auf die geplante Expansion

nach Süden in dem neuen Gebiet. Ja.

Mit maximaler Effizienz in der Organisation kann ich nicht wachsen.

Da braucht man jetzt nicht BWL studiert haben, um das zu wissen.

Und dementsprechend hat sich eben der Ansatz für

die Unternehmung komplett gedreht, weg von maximaler

Effizienz hin zu Aufbau von Kapazitäten, um wachsen zu können.

Du hast vier Stellen im Büro innerhalb von kürzester Zeit neu geschaffen,

sechs von zwölf Positionen neu besetzt.

Was macht das mit den Mitarbeitenden, die schon da waren?

Das ist natürlich eine große Veränderung, das muss man schon sagen.

Die machen das bravourös mit.

Unterm Strich kann man sagen, da

herrscht eine große Freude und ich möchte jetzt nicht übertreiben,

aber vielleicht auch eine gewisse Form der Aufbruchstimmung.

Ja. Weil sie natürlich sehen, dass

da jetzt jemand ist, der investiert,

der Geld in die Hand nimmt, um das Ganze eben weiterzuentwickeln.

Damit will ich gar nicht sagen, sie waren vorher mit dem Inhaber

nicht zufrieden, im Gegenteil. Also ein ganz toller, toller Chef.

Nicht ohne Grund sind wir befreundet.

Also ich kann jetzt ein Loblied auf

ihn singen, aber man mag es mir glauben.

Also ein ganz toller Typ und war

auch sehr, sehr beliebt in der Belegschaft,

da gibt es überhaupt keine Diskussion.

Und gleichzeitig bin ich eben weniger effizienzgetrieben

als er und das kommt natürlich in der Belegschaft ganz gut an.

Du hast mir

im Vorgespräch ein Beispiel aus deinem Alltag erzählt, wo du einen

Tag selbst, oder eine Zeit lang selbst im Einsatz auch warst,

aus Urlaubsvertretung für Mitarbeitende Momentan leider fast täglich, ja. Ah, siehste.

Und du hast frühs bei einem, hast du mir erzählt,

bei einem dementen Kunden eine Kollegin getroffen von einem anderen Dienst,

die den Tag noch 27 Patienten vor sich hatte.

Was hast du in dem Moment gedacht?

Ja genau, also ich bin jetzt momentan

fast täglich bei einem hoch dementen Kunden ab 7.30 Uhr und kümmere

mich um ihn und bringe ihn dann auch in die Tagespflege.

Und da ist noch ein anderer Pflegedienst mit drin.

Die Dame hatte gerade erst angefangen,

deswegen hatte sie im Laufe des Tages noch eben 27 Einsätze.

Sprich, das war natürlich aber auch Hochzeit in den Ferien.

Also bei den anderen Diensten hat eine normale Betreuungskraft

eben häufig so 15 bis 30 Einsätze, relativ variabel, am Tag.

Naja und was habe ich mir gedacht?

Erstmal Respekt für die gute Frau. Ja. Das ist unheimlich anstrengend.

Ja. Gar nicht unbedingt nur

der pflegerische Part, sondern vor allem alles, was drum herum hängt.

In den vierten Stock, wieder runter, ins Auto,

Parkplatz suchen, wieder irgendwo hoch, sich auf eine andere Familie einstellen,

möglicherweise Gemecker hören, weil man eine halbe Stunde zu spät ist,

weil es bei den Patienten vorher länger gedauert hat etc.

pp. Also erstmal großen Respekt an dieser Stelle.

Und ich habe mir natürlich gedacht, Mensch, kein

Wunder, dass wir ein relativ beliebter Arbeitgeber sind.

Weil das gibt es bei uns eben in der Form nicht.

Sondern bei uns, wir starten hier in Kassel in

Blocks A zwei Stunden.

Sprich Betreuungskräfte, die auch ganz häufig in Teilzeit für

uns tätig Haben maximal drei Einsätze am Tag.

Manche natürlich auch mal vier, manche auch mehr.

Aber im Regelfall zwei, drei Einsätze am Tag.

Und das macht es natürlich deutlich angenehmer,

weil sie vor Ort einfach mehr Zeit haben, sich auf die Kunden einzustellen.

Und sie haben einfach auch weniger Transferzeiten zwischendurch.

Das heißt, zwei Stunden pro Einsatz, feste Bezugsperson,

gute Erreichbarkeit, ordentliche Bezahlung, hattest du mir im Vorfeld erzählt.

Und dennoch lehnt ihr 90% der Bewerber ca.

ab. Ist Qualität für euch ein Wachstumshemmnis?

Ja, also wir lehnen sogar über 90% der Bewerber ab.

Es ist ein Wachstumshemmnis,

wenn man das in deinen Worten so sagen möchte.

Aber ich sagte es ja eben schon, also bei Qualität

gibt es keine Abstriche bei uns. Klar, wir könnten schneller wachsen, natürlich.

Aber das ist nicht der Anspruch. Wir würden unsere Marke verwässern.

Wir haben ja auch einen moralisch-ethischen Anspruch uns Gelber gegenüber.

Ja. Und wir haben Anfang des Jahres in Kassel,

was man so macht als Übernehmer, wir haben dann eben einen Werte-Workshop

gemacht mit dem Team und haben gesagt,

Mensch, was sind denn eigentlich so die grundlegenden Prinzipien,

die uns hier leiten in unseren täglichen Entscheidungen.

Und da haben wir uns unter anderem darauf committet,

dass wir sagen, wir stellen nur solche Betreuungskräfte

ein, die wir auch auf unsere eigenen Angehörigen loslassen würden.

Und das, so schade es ist, grenzt den Bewerberpol doch ziemlich ein.

Ja, aber ich finde es eine total schöne Überlegung

zu sagen, okay, ich stelle nur Mitarbeitende ein,

die ich auch auf meine eigenen Angehörigen loslassen würde, wie du sagst.

Das bringt mich zu meiner Frage,

die ich jedem in meinem Podcast stelle.

Wer oder was hat dir den entscheidenden

Rückenwind gegeben und wem gibst du ihn heute?

Für mich der Rückenwind war im Wesentlichen schon Wirtschaftsunion, muss ich sagen.

Weil ich da einfach Kontakt

hatte über Jahre zu wirklich ganz tollen Familienunternehmen

hier aus der Region, die teilweise auch echt groß sind.

Also das ist teilweise schon beeindruckend, das weiß man landläufig

so gar nicht, wie viele hundert Mitarbeiter die teilweise haben

und was die so machen und wie international die unterwegs sind.

Und ich habe natürlich dann viele Nachfolger da einfach kennenlernen dürfen.

Mit einigen bin ich auch befreundet und die

sind alle sehr, sehr gut.

Aber ich habe mich schon auch auf dem Niveau gesehen,

ohne mich da jetzt selbst überhöhen zu wollen und

dachte mir, gut, was die können, kriege ich auch schon hin.

Und das war schon ein Treiber, dass ich einfach sagte,

ich möchte das ausprobieren und ich könnte es mir nicht verzeihen.

Wenn ich irgendwann selber alt bin und da sitze und sage,

Mensch, hetzte mal, aber hatte nicht die Traute.

Das war so der Rückenwind Wirtschaftsunion.

Wem gebe ich Rückenwind? Naja, ich bin nach

wie vor, auch wenn ich jetzt die 40 Jahre Grenze

gerissen habe und damit bei den Wirtschaftsunionen als aktives Mitglied ausscheiden muss,

bin weiterhin relativ aktiv hier in nordhessischen Netzwerken und ermutige

jeden, der Interesse hat,

sich zumindest mit dem Thema zu beschäftigen.

Ich glaube, es bringt nichts, jemanden da in eine Richtung zu pushen,

denn am Ende ist eine höchstpersönliche Entscheidung,

die auch auf andere Lebensbereiche ganz enorme Auswirkungen hat.

Aber der eine oder andere hat sich schon vertrauensvoll an mich gewandt,

deutlich jünger, Anfang 20, Mitte 20, Ende 20,

und hat die eine oder andere Frage mal an mich gerichtet.

Und da freue ich mich natürlich total, da mit, würde

ich sagen, mit Empfehlungen, aber mit Einschätzungen beitragen zu können.

Schön, total schön.

Auf dem Festival waren ja nun ganz viele Nachfolgerinnen und Nachfolger,

die alle ein Stück, also wesentlich

jünger sind als ich und auch ein Stück jünger sind als du.

Du hast mit 38 angefangen, also fast 40.

Ist das spät, ist das genau richtig?

Ich würde schon sagen, dass es spät ist, ehrlich gesagt.

Für mich war es genau richtig, denn Punkt 1, Jurastudium,

hat einfach Zeit in Anspruch genommen.

Und dann die beruflichen Stationen, die ich hatte, international,

die waren einfach auch spannend, die würde ich nicht missen wollen.

Insofern, für mich war es genau richtig.

Ich hatte mir allerdings schon die Deadline gesetzt, 40.

Hätte es jetzt bis 40 nicht geklappt,

hätte ich auch noch ein, zwei Jährchen weitergesucht.

Aber mit Mitte 40 hätte ich es jetzt in der Form nicht mehr gemacht.

Insofern, für mich war es genau richtig.

Umgekehrt muss ich aber sagen, ich habe natürlich,

ich sagte es ja eben schon, Kontakt eben auch zu anderen,

die entweder schon selbstständig sind oder es überlegen.

Und die sind teilweise deutlich jünger. Und da denke ich mir schon,

und das sage ich dann auch, ganz offen, lieber heute als morgen.

Denn, das hatte ich dir im Vorgespräch ja auch schon gesagt,

mich begleitet ja immer dieser Spruch, das Wasser wird nicht wärmer,

nur weil man länger wartet.

Und dementsprechend, man muss ohnehin viel lernen und

man muss auch den ein oder anderen Rückschlag verkraften können.

Und dann ist es im Zweifel leichter, wenn man jünger

ist und noch mehr Zeit hat. Woher kommt dieser Satz?

Ach, das kann ich nicht mehr zuordnen.

Vielleicht klingt in, ja, ich weiß es nicht.

Aber ich finde ihn, finde ihn, finde ihn ganz toll,

muss ich sagen. Ja,

Also meine letzte Frage an dich.

Da hört jetzt jemand heute unsere Episode in genau der gleichen Situation,

in der du vor zwei Jahren warst. Guter Job, gutes Gehalt.

Und dieser Gedanke, der dann doch nicht weggeht,

vielleicht dann doch was Eigenes machen. Was sagst du dem?

Ja, ich glaube, ich glaube, es macht keinen Sinn, Empfehlungen für

jeden Einzelnen auszusprechen,

weil es ist am Ende des Tages eine höchstpersönliche Entscheidung.

Aber was auf jeden Fall klug ist, ist es, sich ganz,

ganz intensiv damit zu

befassen, was man am Ende des Berufslebens gemacht haben möchte.

Und nicht immer nur sagen, irgendwann mache ich dies, irgendwann mache ich das.

Das Irgendwann kommt halt sehr, sehr schnell. KPD im Stichwort.

Und ich würde mich einfach ganz intensiv damit beschäftigen.

Und wenn man dann sagt Nein, ich möchte das unbedingt ausprobieren

und ich kann mir nicht verzeihen,

das nicht versucht zu haben, dann lieber heute als morgen.

Der letzte Satz gehört immer meinem Gast.

Über das, was er bisher noch nicht im Podcast gesagt hat,

was er gerne auch den Hörern mitgeben möchte. Du hast die Bühne.

Ich würde anknüpfen an deine letzte Frage.

Ich würde vor

allem die Entscheidung nicht abhängig machen von gesamtwirtschaftlichen Gegebenheiten.

Also jetzt sind wir im August 2026.

Die gesamtwirtschaftliche Lage ist alles andere als rosig.

Auch wenn draußen die Sonne scheint,

geht es der Wirtschaft nicht so gut, bekanntermaßen.

Und es ist ja auch nicht unbedingt eine akute Trendwende absehbar.

Ich glaube aber, wenn man sich selbstständig machen möchte oder unternehmerisch

aktiv werden möchte, dann sollte das nicht so eine große Rolle spielen.

Natürlich ist es sektor-und branchespezifisch gar keine Frage.

Aber ich würde den Sprung trotzdem wagen,

weil mir hat ein befreundeter Unternehmer, den ich schon sehr,

sehr lange kenne, gesagt, Shit always hits the fan.

Also irgendwas passiert immer. Und dementsprechend

einfach Sprung ins kalte Wasser und los schwimmen.

Felix, herzlichen Dank für das schöne Gespräch. Ich danke dir.

Was mich an diesem Gespräch am meisten beschäftigt

hat, war nicht die Zusage. Es war die Absage.

Über Zusagen wird ständig gesprochen.

Über das schwierige Gespräch danach fast nie.

Felix Engelhardt hat es geführt, ohne sich herauszureden.

Und er hat mir gesagt, dass die Enttäuschung auf beiden Seiten war.

Weitergegangen ist es für ihn seitdem schnell.

Im Oktober eröffnet HomeInstead Kassel einen zweiten Startort in Fritzlar.

Damit geht Felix in den ländlichen Raum.

Eine ganz eigene neue Erfahrung,

über die wir vielleicht in ein bis zwei Jahren nochmal sprechen sollen.

Und damit sind

wir bei dem, was für ihn ganz oben auf der Liste steht.

Der Mensch.

Denn Felix hat mir etwas erzählt, das ich wirklich bemerkenswert finde.

Sein Team hat sich in einem Werte-Workshop darauf verständigt,

wir stellen nur Betreuungskräfte

ein, die wir auch auf unsere eigenen Angehörigen loslassen würden.

Über 90% der Bewerbungen werden abgelehnt.

Wer für diesen Anspruch, so wie Felix und sein Team brennen,

ist umgekehrt bei Ihnen herzlich willkommen.

Ob in Kassel oder in Fritzlar.

Wenn du also in Nordhessen zu Hause bist und

das dein Thema ist, melde dich bei Felix.

Seine Kontaktdaten stehen in den Show Notes.

Dort findest du auch außerdem den Link zu Felix,

linked im Profil, zu Home Instead Kassel und

zum Foodsteps Nachfolgefestival, auf dem wir uns kennengelernt haben.

Und nochmal ein besonderes Dankeschön an

die Sparkasse Kassel für die tollen Räume über den Dächern der Stadt.

Wenn dir diese Folge gefallen hat,

abonniere diesen Podcast und empfiehle ihn weiter an jemanden,

der gerade abends auf der Couch sitzt und Exposés liest.

Ich bin Holger Langer, dein Sparingspartner in der Unternehmensnachfolge.

Ich freue mich, wenn wir uns in zwei Wochen zur nächsten spannenden

Nachfolgegeschichte wiederhören.

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